
Hals und Ohren und der übrige Körper bekamen regelmäßig Wasser zu spüren, aber schließlich gewöhnte Fritz sich an diese Unannehmlichkeit. "Er ist ein gutartiges Kind", meinten die Pflegerinnen - "ein hübscher Junge", sagte die Oberin wohlwollend. - Der Winter ging rasch dahin, der Frühling hielt seinen Einzug und dann kam der Sommer. Fritz durfte jeden Sonntag auf den Kirchhof an das Grab seiner Mutter. Auf einer dieser Wanderungen konnte Fritz es nicht lassen, ein paar Rosen aus einem fremden Garten mitzunehmen, niemand bemerkte es, so konnte er sie mit großer Freude und Liebe seiner Mutter aufs Grab legen. Bei dem nächsten Diebstahl wurde der Knabe gefasst und verwarnt, alsdann wurde er dem Waisenhaushaus gemeldet. - Fritz stand fassungslos dem Strafgericht gegenüber, das die Oberin über ihn hielt, - dann aber, nach der Bestrafung kam wie schon einmal ein unsinniges Verlagen nach Vergeltung, nach Rache in ihm auf. Beim Abendessen warf er seinen gefüllten Suppenteller zu Boden, am nächsten Tage verprügelte er seine Kameraden und wurde so widerspenstig und frech, dass die Oberin drohte, ihn in ein Fürsorgeheim zu schicken. Allmählich beruhigte er sich, wurde wieder lieb und gut und niemand fand Grund, über ihn zu klagen. Gegen Weihnachten allerdings vermisste die Oberin eine goldene Nadel, die sie bei besonderen Gelegenheiten zu tragen pflegte - Fritz schenkte diese Nadel am Heiligabend mit strahlender Freude der Schwester Liesbeth, die er besonders in sein Herz geschlossen hatte. Die Aufregung im Waisenhaus war unbeschreiblich - große Konferenzen wurden abgehalten, scharfe Reden geführt - Fritz wurde unzählige Male vor eine Anzahl Damen und Herren geführt, die ein strenges Verhör mit hm anstellten. Sie legten ihm Fragen vor, die Fritz zum Teil frech und dreist, zum Teil unglaublich naiv beantwortete. Das Ende war, dass er in ein Fürsorgeheim überwiesen wurde und keinem dieser so für Fritz Seelenheil besorgten Kollegiumsmitglieder ist jemals zum Bewusstsein gekommen, dass sie auf diese Weise seinen Abstieg bereiteten.
Fritz Kameraden in dem Erziehungsheim waren meist Söhne verkommener Eltern - Kinder, denen Sittenlosigkeit und Verbrechen schon mit der Muttermilch eingeflößt worden war - frühzeitige Trinker, junge Brandstifter - ein trauriges Durcheinander entwurzelter, verwahrloster Jugend. Es dauerte gar nicht lange, so wussten die geriebenen Jungen den Neuling an seiner weichsten Stelle zu fassen, ihn für ihre Zwecke ausnutzten, Fritzens Gutmütigkeit und seine unausrottbare Lust zum Schenken missbrauchten sie in schonungsloser Weise. Fritz wurde mit der Zeit ein äußerst geschickter Dieb, dabei von einer Selbstlosigkeit über die seine Komplizen zuerst heimlich spöttelten, die ihm aber allmählich großes Ansehen unter den Zöglingen eintrug. Nach einer Bestrafung unternahm Fritz mit einem seiner Kameraden einen Fluchtversuch, der jedoch misslang und nun begann für ihn eine böse Zeit. Die strenge Beaufsichtigung ertrug er mit eiserner Ruhe, jede Unfreundlichkeit jedoch quittierte er mit wildem Hass und wütenden Worten. nach langer Zeit, Fritz ging ins 18. Lebensjahr und hatte seine Schlosserausbildung im Heim beinahe beendet, versuchte er nochmals dem ihm unerträglichen Zwang zu entfliehen und dieses Mal gelang die Flucht. Nach langem Umherwandern, manchmal arbeitend, meist stehelend, landete Fritz in der Großstadt. - "Ein hübscher Junge", hatte die Oberin des Waisenhauses gesagt - "ein hübscher