Lyrik und Poesie
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Der Dieb

Fortsetzung der Geschichte: Seite 4 von 5 - Der Dieb -


Der Dieb
Junge", dachten auch die Großstadtmädchen. An Hand dieser Mädchen kam Fritz schnell in jene Kreise, die in dauerndem messerscharfen Kampf mit Polizei und Behörde stehen, seine neue Umgebung erinnerte ihn lebhaft an die Kameraden im Fürsorgeheim und sehr bald fühlte er sich heimisch bei ihnen. Mit viel Geschick fügte sich Fritz in das neue Leben ein, ein paar gute "Erfolge" in Warenhäusern, Untergrundbahn und auf den Bahnhöfen befestigte rasch seine Stellung in seinem neuen Freundeskreis; er ward bald einer von denen, die um ihre Meinung gefragt wurden, die etwas zu sagen hatten. Mit zunehmendem Ansehen seiner Person wuchs auch seine Beliebtheit bei den Mädchen, zuerst als Anfänger nahm er wahllos was sich ihm anbot, dann allmählich wurde er wählerisch, schließlich "bekam er die ganzen Frauenzimmer satt", wie er sich verächtlich ausdrückte. Aber auch das dauerte nicht lange, in der schwarzen Karin gewann er eine Freundin, die er abgöttisch liebte. Sie mochte wohl Grete oder Mariechen heißen, aber sie schwärmte für den Namen Karin und hatte ihn sich kurzerhand beigelegt. Wenn man diesen kleinen braunen Teufel ansah mit seinen lodernden Blicken und dem kurzen glatten Schwarzhaar, so musste man zugeben, dass Mariechen oder Grete nicht der geeignete Name war, so ging es also mit "Karin" in Ordnung - und Fritz war diesem kleinen Satan ergeben mit Herz und Seele. Sie machte mit ihm was sie wollte, und sie wollte immer sehr viel, die Karin. Unersättlich war ihr Wunsch nach Schmuck, unermesslich ihre Forderungen nach Geld. Die braune Karin bekam alles von Fritz, was sie begehrte, er überschüttete sie mit allem Gewünschten - und hatte er dann eine neue Goldkette um ihren zierlichen Hals gelegt, einen schönen Ring auf ihre feinen Finger geschoben, so überschüttete sie ihn mit unzähligen Küssen und Zärtlichkeiten, wurde in seinen Armen zu einem hinreißend süßen wilden Tierweibchen, das ihm alle Wonnen und Seligkeiten der Welt gab. - Um dieser süßen Stunden willen wurde Fritz einer der verwegensten und gefährlichsten Burschen seiner Zunft, er scheute keine Gefahr, war von beispielloser Gewandtheit. Rabenfritz, wie er genannt wurde, war mit 23 Jahren ein hochgeachtetes Mitglied seines Kreises, bei vielen "Dingern, die gedreht wurden", war er der Führer und seine Teilnahme an einem "Zug" gewährleistete schon das Gelingen. Die Polizei war scharf hinter ihm her, einige kleine Freiheitsstrafen im Anfang seiner Großstadtlaufbahn lagen schon hinter ihm. Etwas aber verstanden seine Komplizen nicht an ihm, sie respektierten ihn wegen seiner Fäuste und seiner Kraft, sie liebten und achteten ihn wegen seiner unbedingten Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit ihnen gegenüber, aber sie begriffen nicht, dass er nie etwas behielt von dem, was sie erbeuteten. Was Karin nicht haben wollte, was ihr nicht gefiel, das verteilte er an seine Leute; er selbst aber freute sich wie ein Kind über die Freude der anderen und war fröhlich und glücklich in seiner Lust am Schenken.

Eines Tages sollte wieder eine Sache vor sich gehen, ein reicher Ausländer in einer schlossartigen Villa sollte "Besucht" werden, alles war genau verabredet. Es war Sommer, der Abend senkte sich erfrischend auf die erhitzte Stadt, die Menschen atmeten auf, Frauen gingen in hellen Kleidern über die dunkelnden Straßen, Musik tönte aus den Gaststätten. Rabenfritz saß schon eine ganze Zeit im Gebüsch des großen, parkähnlichen Gartens und beobachtete das Haus vor ihm. Hunde, die ihn hätten aufspüren können, gab es seiner Feststellung nach nicht, dafür jedoch