
abermals im Eingang. Fritzchen oben presste das Gesicht hart gegen die Fensterscheibe, keine Bewegung des breiten vierschrötigen Jungen durfte ihm entgehen, er bewunderte diesen Jungen da unten, liebte ihn, vergötterte ihn.
Bernhard Grumkow war der Sohn der Portiersfrau, einer Kriegswitwe, die man aus sogenannter Anständigkeit bei geringem Lohn die Stelle ließ, die früher ihr Mann innegehabt hatte. Bernhard war breit und starkknochig wie ein kleiner Bär, er hatte ein rotes Gesicht mit pfiffigen gutmütigen Augen, ein Paar breite, arbeitsgewohnte Fäuste und hatte neben seinen vielen Beschäftigungen, zu denen ihn die überlastete Mutter anhielt, immer einen kleinen Einfall im Kopf. Fritzchen saß neben Bernhard Grumkow auf der Schulbank, der aber nahm wenig Notiz von ihm, solche kleinen schwächlichen Jungen waren ihm verächtlich. Wenn Fritz auch Sohn eines Regierungsrates war und in der großen Wohnung der 1. Etage wohnte, so machte das ihm, Bernhard Grumkow, nichts aus; Fritz durfte ja nicht einmal allein auf die Straße, durfte auch nicht hinten auf dem Hof spielen, immer ging er mit seinem Fräulein oder kam überhaupt nicht zum Vorschein, so ein Stubenhocker, ein Milchgesicht, ein Feigling. Fritz hatte immer gute Schularbeiten und saubere Hände; er, Grumkow, dagegen war einer der schlechtesten Schüler und hatte schon morgens die schmutzigsten Finger. Wenn Fritz und Bernhard mittags aus der Schule kamen und Fräulein war zufällig nicht vor der Schule, dann hängte sich der Kleine an den Größeren und fragte ihm die Seele aus dem Leib. Aufwaschen? Ja, heute wurden die Treppen aufgewaschen, immer zweimal die Woche, ja, er allein, Mutter hatte Wäsche, die Ascheimer? Nein, die kamen erst morgens raus, ja, auch zweimal in der Woche; zum Schlachter und Bestellungen machen, ja, das war wohl wieder so weit, nein, die Schuhe für die 2. Etage sollte er erst morgen vom Schuster holen. So ging Fritzens Fragerei weiter und Bernhard antwortete geduldig. Bernhard Grumkow war wieder untern auf der Straße erschienen und begann mit Schneefegen. "Ach", dachte Fritzchen am Fenster über ihm, "wer das auch einmal könnte! Ascheimer schleppen wie ein Großer und alle so schön sauber aufstellen, ach und Schneefegen wie ein richtiger Mann und dann sogar abends, wenn die Laternen schon brannten. Er, Fritz, durfte nie so etwas und dabei möchte er doch so gern, so brennend gern einmal etwas richtiges schaffen, so wie die Großen es taten; vielleicht dass sogar Vater ihm über das Haar streichen würde und sagen: "Fritz, das hast du wirklich fein gemacht." Aber Vater hatte nie Zeit, war immer in Hast und dann - Vater hatte ihn auch gar nicht lieb, das wusste er genau.
Fritz wurde in seinen Gedanken gestört, das Licht wurde rücksichtslos grell ausgedreht, so dass es mit der weichen warmen Traumdämmerung im Zimmer vorbei war, Fräulein holte den blinzelnden Jungen mit freundlosen Worten zum Abendbrot in sein Zimmer.