Lyrik und Poesie
- Erzählungen -

Feier im Hof

Fortsetzung der Geschichte: Seite 5 von 6 - Kinder in Not -

Teil 5 - Spielende Kinder
ich fort will mit dir! Du bist mein Freund, mein einziger Freund, Grumkow! Ich habe ja niemanden sonst, keiner kümmert sich um mich, ich darf nichts, was mir Freude macht und mit dir spielen darf ich sicher auch nicht. Ich bin immer allein und ich will nicht mehr allein sein, hörst du, Grumkow? Ich will nicht." "Du hast doch deinen Vater," antwortete Grumkow mit leiser Stimme. "Papa? Ach der, die Köchin hat erst neulich zu Fräulein gesagt, er möchte mich nicht leiden, weil ich an Mamas Tod Schuld bin; ich sollte es nicht hören, aber ich habe es wohl verstanden, als sie flüsterten." "Ja," sagte Grumkow einsilbig, was sollte er dazu sagen, das war ja im ganzen Haus bekannt. "Und dann, Grumkow, denk' an den Brief! Der Lehrer hat gesagt: Solche Jungens kann die Schule nicht brauchen, wir werden rausgeschmissen, Grumkow, und ich kriege dann furchtbare Schläge von Papa." Leiser fügte er noch hinzu: "Und davor habe ich Angst." Grumkow, der allerdings auch mit Unbehagen an die hartgearbeiteten Hände seiner Mutter dachte, legte seinen Arm begütigend um Fritzens Schulter: "Ach, Mensch, lass doch - Schläge - pah, wie oft kriege ich welche und mit dem Rausschmeißen aus der Schule wird es auch nicht so schlimm werden! Komm, wir gehen schon dauernd in ganz falscher Richtung, ich soll doch zum Schlachter, Mensch, und wir sind schon fast aus der Stadt." "Will ich ja auch, Grumkow, will ich ja auch, wir beide gehen jetzt weg, weit weg, dann kann uns keiner mehr verhauen! Und wenn wir in Amerika sind, dann schreiben wir ihnen, nicht wahr?" Fritz ging unbeirrt die Straße weiter, Grumkow trottete in schweren Gedanken neben ihm. Eine Weile war Schweigen zischen ihnen, sie kamen vor die Stadt, durchschritten ein Wäldchen, kamen hinaus ins freie Land. Der Schnee lag hier noch blütenweiß und unberührt auf Wiesen und Feldern, nur die wenigen Wege zogen schwarze, schmale Bänder durch die weiße Landschaft. Die tiefstehende Nachmittagssonne warf einzelne rotgoldene Lichter über die Schneedecke, in der Ferne sah man den Bogen einer Eisenbahnbrücke, die sich über den Fluss spannte. Die beiden Freunde waren von einem breiten Landweg in einen Seitenweg eingebogen und stapften nun, da sich dieser in den Äckern verlor, querfeldein ohne Weg und Steg weiter durch den Schnee. Grumkow wälzte in schwerfälligen Gedanken die Frage, wie er Fritz von seinem unsinnigen Vorhaben abbringen konnte, Fritz hingegen ging erhobenen Hauptes mit glühenden Wangen und überglücklichen Augen der neuen Welt entgegen, die ihm so unerwartet schön vor Augen lag. Er schaute mit nie gekannter Freude über die weite, weiße Fläche, so schön war der Schnee ja nie auf der Straße - er blinzelte mit Entzücken in die rote Sonne und auf ihr Leuchten über dem Schnee, so etwas Wunderschönes gab es gar nicht in der Stadt - er blickte in den hohen blauen Himmel über sich und seine Brust dehnte sich im Gefühl nie gekannter, jauchzender Freiheitsfreude. Plötzlich standen die beiden Freunde am Ufer des Flusses; Grumkow kam eine leuchtende Idee. "Mensch, Fritz, hier ist es zu Ende mit deiner Reise, nun müssen wir umkehren," sagte er triumphierend, Fritz am Arm zurückziehend. Aber der