
Am nächsten Morgen saßen die beiden Knaben gemeinsam wieder auf der Schulbank, Fritz Bäumer hatte ein Lob bekommen wegen seiner gut geschriebenen Hausaufgaben, Bernhard Grumkow dagegen war von dem Lehrer mit dem Stock bedroht worden, da seine Arbeiten schlecht und unvollständig gemacht worden waren. Bernhard hatte nichts gesagt, was sollte er auch sagen, der Lehrer wusste ja so gut wie er, dass er einfach keine Zeit hatte zu den Schulaufgaben, dass abends die verarbeiteten Hände zu müde waren, um noch Buchstaben und Zahlen zu schreiben. Doch bald hatte Bernhard den Zorn des Lehrers vergessen, der Trotz saß ihm im Nacken und auch ein ganz kleines bisschen Spaß, er musste nun, er konnte gar nicht anders, sich in irgendeiner Form zu rächen, es brauchte nur ein ganz kleiner Schabernack sein, aber heimzahlen musste er es dem Lehrer. So kam es, dass mitten beim Sprechen dem Lehrer etwas ins Gesicht flog, das nach allen Seiten kleine Tintenspritzer von sich gab, eine wohlgezielte, tintengetränkte Löschpapierkugel. Erschreckt und empört zugleich fasste der Lehrer sich ins Gesicht und hatte unversehens damit die Spritzer zu großen Flecken verschmiert. Ein heimliches Lachen ging durch die Klasse ob des komischen Anblicks, dann aber siegte der Respekt und die Angst. Wütend schoss der Lehrer vom Pult herunter auf Bernhard Grumkow, schrie ihn an: "Du bist es gewesen, du Lümmel, sag' es sofort! He, antworte, oder --!" Er hob den Stock, um ihn auf den Jungen niedersausen zu lassen, da geschah etwas Wunderbares: Der kleine schüchterne Fritz stand urplötzlich neben Bernhard auf, lehnte sich schützend vor ihn und sagte mit seiner hellen klingenden Mädchenstimme: "Ich bin es gewesen, Herr Lehrer." Dieser ließe langsam die Hand sinken, trat einen Schritt zurück; eine Sekunde lang warnte eine Stimme in ihm, ruhig und gerecht zu bleiben, dann aber schoss die Wut ihm nochmals zu Kopf: "Was? Du wagst es? Du willst dem Lümmel noch beistehen? Na warte! Der Hehler ist so gut wie der Stehler, weißt du das nicht? Wartet, das werd' ich euch besorgen! Heraus aus der Bank!" Er fasste nach Grumkow, zerrte ihn aus der Bank und ließ den Stock auf ihn niedersausen. Doch, als er nach Fritz Bäumer greifen wollte, blickte er in ein so leidendes, blasses Kindergesicht, dass er den Stock in die Ecke warf und zum Pult zurückging. "Ihr beide geht auf den Flur zur Strafe und wehe, wenn ihr euch dort rührt! Ich werde an eure Eltern schreiben, solche Jungens kann die Schule nicht gebrauchen."
Fritz und Bernhard standen draußen auf dem kalten Korridor, Bernhard stand am Fenster und guckte trotzig auf die Straße hinaus, Fritzchen kuschelte sich frösteln in die am Riegel hängenden Knabenmäntel hinein und überlegte das eben Geschehene. Er wusste selbst nicht wie es gekommen war, er hatte plötzlich das starke Gefühl gehabt, dass er es nicht ertragen könne, wenn Grumkow Schläge bekam, dass er ihn davor schützen müsse. Wie konnte man einen Jungen schlagen, der so viel zu Hause arbeiten musste, der genau so viel tat wie ein Erwachsener und für den er, Fritz, soviel Bewunderung hatte. Eine Hand legte sich ihm auf die Schulter, Grumkow stand neben ihm und sein Gesicht ganz dicht an